Die Zahlen sind da!

Olympia

… und wir wissen kaum mehr als gestern. So kann man das Ergebnis der Pressekonferenz vom 8.10.2015 zum Finanzreport zusammenfassen. Aber beginnen wir von vorn.

Der Erste Bürgermeister Olaf Scholz gibt die Parole aus „Wir sind begeistert, aber nicht euphorisch“. Das soll heißen, dass es die Olympischen Spiele nicht um jeden Preis gibt. Wir werden sehen…

Hamburg nimmt sich vor, jährlich 200 Mio. Euro aus dem Haushalt zurückzulegen und so 1 bis 1,2 Mrd. Euro anzusparen. Mehr soll es für Hamburg nicht werden. Nur wo soll der Rest herkommen und wann werden wir das erfahren? Die Verhandlungen mit dem Bund werden erst im Februar 2016, wenn Hamburg bereits erste Garantieerklärungen abgeben muss, abgeschlossen sein. Am 29. November 2015 werden wir also über die Katze im Sack abstimmen müssen.

Die Bedenken des Rechnungshofes sind nicht ausgeräumt. Da hilft es auch nichts, wenn Olaf Scholz von der „am besten durchgerechneten Bewerbung für Olympische Spiele“ spricht.

Auch hinter den weiteren Einnahmen stehen große Fragezeichen. So werden bereits in der ersten Phase 352 Mio. Euro Grundstückserlöse für die OlympiaCity veranschlagt. Von lokalen Sponsoren werden Einnahmen in Höhe von 1,1 Mrd. Euro erwartet. Das erscheint viel zu hoch gegriffen, zumal dann an anderer Stelle auch Sponsoreneinnahmen wegfallen werden. Die Rechnung ist außerdem sehr überschlägig.

Auf die Frage, ob Hamburg über die Schmerzgrenze von 1,2 Mrd. Euro Eigenanteil hinausgeht, windet sich Olaf Scholz. Mehr als diesen Betrag könne der Haushalt Hamburgs nicht verkraften. „Er würde die Finanzen der Stadt nicht ruinieren.“ Er hält dagegen: Für OlympiaCity hätte die Stadt ohne Olympia kein Geld. Wir fragen: Wofür braucht Hamburg eigentlich einen Stadtteil auf dem Kleinen Grasbrook mitten im Hafen? Aber für Olaf Scholz ist ja auch die Entwicklung von Barcelona durch die Olympischen Spiele ein glühendes Vorbild…

Zur Verlagerung der Hafenbetriebe erfahren wir, dass die Firmen in den mittleren Freihafen verlegt werden sollen. Kosten: 509,24 Mio. Euro. Sie erhalten keine Entschädigungen, sondern bekommen die neuen Flächen so hergerichtet, dass sie ihre Tätigkeit fortsetzen können. Die Kosten der reinen Verlagerung werden mit ca. 206 Mio. Euro ziemlich niedrig angesetzt.

Bislang wurden 5-6 Mio. Euro für die Planungen, den Finanzreport und die Gründung der Bewerbungsgesellschaft ausgegeben. Werbung nicht eingerechnet…

Auch nach dem Zusammenhang zwischen der Flüchtlingsfrage und Olympia wurde gefragt. Olaf Scholz beantwortete dies damit, dass beides in die gleiche Richtung ginge, nämlich sich für eine bessere Welt anzustrengen.

Das soll uns mal jemand erklären, was Olympische Spiele mit einer besseren Welt zu tun haben!

Wer sich selber ein Bild machen will: Den gesamten Finanzreport kann man hier abrufen.

Update
Hier unsere Pressemeldung dazu:

Ein Finanzreport ist kein Finanzplan. Das Ganze gibt sich den Anstrich des Seriösen, räumt aber die Bedenken des Rechnungshofes nicht aus. Zu diesem frühen Zeitpunkt können trotz der Puffer, die eingebaut wurden, noch keine verlässlichen Aussagen über die Kosten gemacht werden. Die Aussagen in dem 114 Seiten umfassenden Papier sind auch erstaunlich unkonkret, wenn man näher hinschaut.

Es fällt auf, dass die Sicherheitskosten deutlich niedriger veranschlagt werden, als zuvor über die Medien bereits verbreitet wurde (461 Mio. versus 1,38 Mrd.). Darin liegt m. E. großes Potenzial für Kostensteigerungen.

Ähnliches gilt für die Verlagerung der Hafenbetriebe. Die reinen Verlagerungskosten werden mit ca. 206 Mio. Euro beziffert. Die Entwicklung des mittleren Freihafens (ca. 509 Mio. Euro) zur Ansiedlung der Betriebe wird man hinzunehmen müssen. Aber 715 Mio. Euro sind gegenüber den Schätzungen von 1,1 bis 1,5 Mrd. Euro immer noch sehr gering und beinhalten Kostensteigerungsrisiken.

Mir scheinen auch die kalkulierten Einnahmen insgesamt noch sehr unklar zu sein. Zum Beispiel sind 1,1 Mrd. Einnahmen von lokalen Sponsoren und Ausrüstern m. E. sehr hoch gegriffen. Zu bedenken ist etwa, dass das Volumen für lokale Sponsorengelder nicht unbegrenzt steigt, sondern anderswo wahrscheinlich Einnahmen wegfallen.

Und schließlich ist es eine ganz große Hypothek, dass wir am 29.11.2015 noch keine Finanzierungsaussage des Bundes haben werden. Wir stimmen also doch über die Katze im Sack ab.

11,2 Mrd. ist ein erschreckend hoher Betrag, und das erst recht, wenn man bedenkt, dass Kostensteigerungen wahrscheinlich sind.

Wenn Olaf Scholz sagt, dass er nicht mehr als 1,2 Mrd. ausgeben will, dann bleibt dabei unberücksichtigt, dass die Stadt für sämtliche Kostensteigerungen haftet. Selbst wenn also vom Bund die nötigen mindestens 6/6,2 Mrd. Euro kommen, ist ja nicht sicher, dass nicht mehr Kosten auf die Stadt zukommen. Und dann sitzt Hamburg in der Falle, weil es nach Vertragsunterzeichnung kaum noch ein Zurück gibt.